Renovierung einer Soling – Teil I
Ein Bericht mit Fotos von unserem Club-Mitglied Rainer Gussek
Da steht ein Bootsanhänger im Vorgarten eines ehemaligen Bauernhofs in der Nähe von Lüneburg. Und oben drauf eine Soling – Baujahr 1970 bei Paul Elvström.

Ob die Bremsen des Anhängers tatsächlich funktionieren, ist unwahrscheinlich. Die Soling aber ist intakt, der Rumpf hat länger kein Wasser gesehen und ist relativ trocken. An Deck herrscht ein ziemliches Durcheinander, aber so ist das wohl bei Antiquitäten. Der einfache Plan: „Entkernen“ und in einen schnittigen Daysailer umbauen. Müsste doch eigentlich möglich sein, oder?
Eigentlich hatte ich mich an Helges Dopamin – Bausatz wagen wollen, darüber kamen wir in Kontakt. Aber irgendwie wussten wir wohl beide, dass das eine schwere Geburt werden würde. Könnte die Soling eine lockere Alternative sei „Entkernen“ ist so ein schönes Wort, „Ensorgung“ auch. Beides wird benötigt. Ziel ist es, dass das Boot am Schluss nicht mehr wiegt als das Ausgangsobjekt. Erst einmal also allen Schrott von Bord. Und der ist dann doch größer als erwartet.
Deck, Cockpit, es geht bis zu den Rumpf-Stabilisatoren, „die müffeln doch nur“, mein Helge. „Das muss alles raus!“. Und damit man mit dem Rumpf vernünftig arbeiten kann, muss der Lack so weit ab, dass weiteres Material sauber haften kann. Damit vergehen zumindest für mich die ersten acht Wochen (ich arbeite eineinhalb Tage die Woche am Boot, den Rest der Zeit werken Helge und Jean-Phillipe allein – neben anderen Projekten).

Um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, notiert Helge akribisch jedes Gramm, dass die Soling verliert – sei es eine GfK-Verstärkung, sei es der prall gefüllte Beutel abgeschliffenen Lacks.
Am Schluss bleibt dann fast ausschließlich der freigelegte Rumpf, ich fange an zu ahnen, dass wir hier wohl eher an einem neuen Boot arbeiten als an einem Umbau.
Für mich bedeutet es den ersten Schritt nach vorne, als die neuen Balkweger angebracht werden, gefolgt von Decksbalken für Stauraum achtern und kleiner Kajüte vorne. Damit beginnt dann auch schon die Lackiererei, besser gleich mehrmals, bevor alles verbaut ist. Und schleifen, schleifen, schleifen …

Die nächste Entscheidung: Das Deck. Wir entscheiden uns für Teak-Holz, das Helge aus tiefster Vergangenheit noch im Keller aufbewahrt. Macht das Ganze zwar erheblich teurer, aber nach Monaten Handwerksarbeit steht die Wertigkeit ganz oben. Die Plackerei soll sich am Ende auch wirklich lohnen.
Jede Woche eine kleine Fläche mehr, das Fischgrät liegt als Abschluss seit längeren bereit.
In feinster Tischlerarbeit hat Jean-Phillipe im kleinen Kajütraum kleine Schränke und Schwalbennester passgenau angefertigt. Zwischenzeitlich wurde auch das Rudergestänge verlängert, da der Heckaufbau nach Fertigstellung um einige Zentimeter erhöht wurde.
Zurück zum Bauernhof nahe Lüneburg: Die optimistische Planung lag Neujahr 2025 bei fünf Monaten Umbauzeit. Ein Jahr ist seither vergangen und es ist absehbar, dass die alten Beschläge jetzt doch schon einmal poliert werden können. Was für eine wunderbare Rarität ist hier entstanden, wobei für mich persönlich allein der Weg zum Ziel schon eine großartige Erfahrung war.
Es mag sein, dass das Boot am Ende auf meinen Namen eingetragen ist, de facto aber ist es ein Team-Boot, das sich auf alle drei Bootsbauer als Skipper freut – und darauf, endlich auf dem Ratzeburger See Wasser unter dem Kiel zu bekommen.




